Ghanaischer Besuch im Geburtshaus 03.05.2018

08:30 im Kölner Geburtshaus: zwei Hebammen wuseln herum, die eine hat vor kurzem eine Geburt betreut, die andere bereitet ihre Vorsorge-Termine vor. Auf dem dunklen Besprechungstisch stehen Kaffee – und Wassertassen und es liegen Schokocroissants und Laugenbrötchen bereit.
Besuch gibt es hier jeden Tag viel, mitunter auch nachts, aber heute kommt ein besonderer Gast zu uns: Frau Dora Lumor aus Ghana, Leiterin vom St. Patricks Nursing and Midwifery Training College in der Ashanti-Region. Sie ist zwei Wochen auf Deutschland-Besuch und heute in Köln, um sich ein Bild von unserer Geburtstradition zu machen. Wir sind stolz, dass ihr erster Termin heute das Geburtshaus ist!

Wir begrüßen uns: Dora Lumor ist mit Helene Hofmann, Erasmus-Koordinatorin der Katholischen Hochschule NRW unterwegs und Charlotte Gospos, freiberufliche Hebamme und Studentin des Pflegemanagements ist auch dabei – voraussichtlich wird sie im Herbst einen Austausch nach Ghana antreten.
Sie werden von unserer Leitung Stefanie Lippelt und den Hebammen Mariana Zech und Nicole Heuger begrüßt.

Mit Getränken versorgt nimmt am Besprechungstisch die Unterhaltung ihren Lauf: Die Hebammen stellen das Geburtshaus vor und erläutern die Besonderheiten sowie die Abläufe bei Vorsorge, Geburt und Nachsorge.

Hier stehen sie gemeinsam in einem der zwei Vorsorge- und Geburtszimmer, Mariana (links im Bild) und Nicole (rechts) erklären, dass die Frauen nach der Geburt nur einige Stunden hier bleiben und dann mit dem Baby nach Hause gehen. Der Gebärhocker, das Tuch und das Bett sind Dora Lumor (Mitte) wohl bekannt und sie stellen fest, dass sowohl in Ghana als auch hier jede Schwangere eine eigene Hebamme für die gesamte Schwangerschaft, die Geburt und die Nachsorge benötigt.

Weiter geht der Rundgang durch das angeschlossene Badezimmer mit der Gebärwanne. Die Hebammen erläutern die Ausstattung und tauschen sich mit Dora Lumor, die selbst auch lange als Hebamme gearbeitet hat, über verschiedene Praktiken zu Geburt und Versorgung von Mutter und Kind aus. Auch in Ghana gibt es nicht viele Wassergeburten (im Geburtshaus gebären um die 25% der Frauen in der Wanne), denn in ghanaischen Kliniken gibt es sehr selten Gebärwannen. Dort wie hier sind zudem viele Frauen unsicher, ob es dem Kind im Wasser nach der Geburt gut geht und es nicht ertrinkt. Die Information, dass Neugeborene (zumal sie vom Fruchtwasser ins Badewasser kommen) durch den sogenannten Tauchreflex eine verschlossene Luftröhre haben, solange ihre Gesichtshaut noch nicht mit Luft in Berührung gekommen ist, ist noch nicht allgemein bekannt. Auch hier leisten Hebammen wichtige Aufklärungsarbeit, unabhängig der Nation.

Der Kursraum ist gerade mit einer Babygruppe und ihren Müttern gefüllt, die alle überraschend leise sind, als wir kurz zur Tür hereinschauen.

Wieder am Besprechungstisch: Auch welche Themen eine Hebamme hierzulande mit den Schwangeren bespricht, ist für Dora Lumor interessant – in ihrer Heimat geht es auch oft um ganz allgemeine Gesundheitsthemen, da viele Frauen in Armut leben. Gesunde Ernährung für Kind und Mutter, Hygiene und ähnliches. Geburtsvorbereitungskurse in Gruppen gibt es eher nicht, sondern die Hebammen besprechen alles mit der einzelnen Frau.

Eine ghanaische Hebamme hat ähnlich viele Kontakte zu ihrer Schwangeren, zu Beginn einmal im Monat und im weiteren Verlauf der Schwangerschaft und je nach Zustand wie hier bis zur Geburt häufiger. Auch die Versorgung nach der Geburt findet die erste Woche lang jeden Tag statt, die Hebammen übernehmen allerdings dort auch die Impfung des Säuglings, da die Frauen selten mit den Kindern zum Arzt gehen und das Infektionsrisiko insgesamt höher ist.
Die Ausbildung zur Hebamme dauert übrigens auch in Ghana drei Jahre und die Schülerinnen (im Alter von 18 bis 35, nur weiblich) arbeiten immer auch im Krankenhaus mit.
Das St. Patricks-College bildet jedes Jahr 2000 Schülerinnen als Krankenschwestern und Hebammen aus. Die Berufe sind sehr beliebt, da es immer Arbeit gibt. Dora Lumor schließt mit einem Kompliment für uns: „My students must come and learn more!”

Hier schaut sich Dora Lumor unsere Geburtshaus-Broschüre an.

Auch für uns ist die Broschüre über das 50-jährige Bestehen der Schule in 2016 interessant, sie wurde bereits 1966 gegründet.

Hier bedanken sich Dora Lumor und Helene Hofmann mit einem Geschenk bei Stefanie Lippelt – wir bedanken uns auch herzlich für das offene Gespräch und den bereichernden Austausch. Die ersten Kontakte sind geknüpft!

Text: Britta De Matteis
Fotos: Alessandro De Matteis